Laut einer großen deutschen Boulevardzeitung mit 04 Buchstaben gab es nach DFB-Angaben zum 1. November 2013 in Deutschland rund 2.783 bundesweite Stadionverbote. Die meisten davon, nämlich 233, entfallen nicht etwa auf die Frankfurter Eintracht, denen die Zentrale Informationsstelle Sport (ZIS) die meisten gewaltbereiten Fans attestiert, oder die KGaA aus Lüdenscheid, deren Anhänger in den vergangenen fünf Jahren satte 23mal für DFB-Sanktionen sorgten – nein, deutscher Stadionverbotsmeister ist der FC Schalke 04! Auf den Plätzen zwei und drei folgen der FC Bayern und die ungeliebten Nachbarn mit 143 bzw. 130 Anhängern mit Stadionverbot; Frankfurt bringt es nur auf  77. Schlusslicht in der Tabelle ist Onkel Dietmars Lieblingsspielzeug, wo sage und schreibe 8 enthemmte Kraichgauer vermutlich wegen unsachgemäßer Handhabung der  Hummerzange draußen bleiben müssen.

Ohne alle Blauweißen zu Unschuldsengeln erklären zu wollen: Ich finde es erschreckend, dass ausgerechnet der Kumpel- und Malocherclub seine treuen Fans offenbar weniger vor der oft gießkannenartigen Vergabe von Stadionverboten schützt als viele anderen Vereine.

Es kann nicht sein, dass beim Auswärtsderby auf dem Weg Richtung Wellblechhütte zahlreiche Schalker wegen „konspirativer Anreise“ festgesetzt und mit Stadionverboten belegt werden,  obwohl sich der Wirt der angeblich von Schalkern zerlegten Gaststätte in der Flora schwer wunderte und auf den Videobändern vornehmlich prügelnde Schwatzgelbe – die KEIN Stadionverbot erhalten – zu sehen sind. Auch beim zwischenzeitlichen Intermezzo am Doofmunder Flughafen konnte die Polizei eigenartiger Weise die Personalien der angegriffenen Schalker, nicht aber die der Angreifer feststellen.  Aktuell lässt sich Watzke nach den Bengalowürfen im Derby für den Entzug der Auswärtsdauerkarten der drei Lüdenscheider Ultragruppierungen als „harter Hund gegen Randalierer“ abfeiern, während läppische „20 oder 30“ Stadionverbote noch geprüft werden, obwohl der ganze Block den Rädelsführern bei jeder abgefeuerten Leuchtmunition begeistert Applaus zujohlte. Klar, jeder Fußballfan ist gegen Kollektivstrafen – aber galt dies auch für die konspirativen Schalker Marschierer im Kreuzviertel oder die Hugos, als sie ihren Abschied zelebrierten…?

Als sich Schalke einmal spontan vor seine Anhänger stellte und den absurden Polizeisturm auf die Nordkurve wahrheitsgemäß und deutlich als unverhältnismäßig bezeichnete, folgte das Dementi auf dem Fuße: Peter Peters eilte nach Innenminister Jägers Leberwurst-Trotzanfall, keine Polizisten mehr zu den pöööösen Schalkern zu schicken, spornstreichs nach Düsseldorf und versicherte, dass die öffentlich geäußerte Kritik am Polizeieinsatz „in Wortwahl und Tenor zu scharf gewesen sei“ und man selbstverständlich weiter vertrauensvoll mit der Polizei zusammenarbeiten werde. Noch unklar ist, wie viele Schalker aufgrund der Geschehnisse beim Spiel gegen PAOK Saloniki am 21.8.2013 Stadionverbote erhalten haben, obwohl Clemens Tönnies das explizit ausgeschlossen hatte.

Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, dass Schalke die aufgrund der Flughafengeschichte ausgesprochenen Stadionverbote im eigenen Stadion suspendiert, doch in meinen Augen muss da noch deutlich mehr kommen, wenn Schalker wieder einmal zu den Bad Boys der Republik und als „Spitzenreiter der Rowdy-Tabelle“ aufgehängt werden sollen. Schalker sind nicht krimineller bzw. haben nicht mehr schwarze Schafe in den eigenen Reihen als andere Vereine – und es sollte auch im Interesse des Vereins liegen, die Anhänger, die den Verein „von der Emscher bis zum Bosporus“ unterstützen, vor ungerechtfertigten Repressalien zu bewahren. Diesbezüglich ist auch mal Tacheles statt Einknicken gegenüber DFB/DFL (hallo, Herr Peters…!) und Polizei angesagt, damit wir nicht ausgerechnet auf dem unrühmlichen Gebiet der rechtlich durchaus zweifelhaften Stadionverbote die Meisterschaft abstauben!