Endlich mal ein Skandal ohne Schalke 04! So lautete der Tenor in den vielen Gaststätten rund um den Schalker Markt, wenn über den Bundesliga-Skandal diskutiert wurde. Doch hier hatten die Schalker Anhänger die Rechnung ohne Canellas gemacht: “Ein Vorstandsmitglied des FC Schalke 04 hat in einem Telefonat mit mir 100.000 Mark gefordert und dafür eine Niederlage gegen Kickers Offenbach zugesagt.”

 

Das Rätselraten über den Namen des Vorstandsmitglieds wurde von Schalke in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz selbst gelüftet. Rechtsanwalt Walter Becker, zugleich Vorsitzender des Schalker Ehrenrats, erklärte: “Wir haben mit Hans Kindermann telefoniert und von ihm den Namen unseres angeschuldigten Vorstandsmitgliedes erfahren. Es ist unser Schatzmeister Heinz Aldenhoven. Hierzu ist anzumerken, dass Heinz Aldenhoven zahlreiche Verhandlungen per Telefon mit Herrn Canellas und einmal auch in dessen Wohnung geführt hat. In allen Gesprächen handelte es sich jedoch nur um den Wechsel der Kremers-Zwillinge von Kickers Offenbach zu Schalke 04 sowie um die Höhe der Ablösesumme. Über andere Dinge ist nie gesprochen worden.”

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Bei dem ersten Spiel der Rückrunde gegen Hannover dürfte im Gästeblock wohl die gleiche Tristesse vorherrschen, die schon das Hinspiel zu einem Heimspiel in Hannover machte. Für das weitgehende Fehlen akustischer und optischer Unterstützung ist der Rückzug großer Teile der Fanszene zum Ende der letzten Saison verantwortlich. Die Gründe dafür sind vielfältig und haben sich über die Zeit angestaut, drehen sich aber letztendlich immer um die gleiche leidige Personalie: Martin Kind. 

Der 70 Jahre alte Hörgeräteunternehmer, in Teilen Fußballdeutschlands als populistischer Gegner von 50+1 bekannt, war sich selten zu schade, seine eigenen Fans vor den Kopf zu stoßen.

Neben dem immer schwelenden Konflikt um den Einsatz von Pyrotechnik ging es zum Beispiel um die Fahne mit dem Konterfei von Fritz Haarmann (nachzulesen bei 11Freunde); ein andermal beschimpfte Kind Teile der Anhänger direkt als „Arschlöcher“. Das Tuch wurde dann endgültig zerschnitten durch die Geschehnisse rund um das Auswärtsderby in Braunschweig: Der Verein wollte die Käufer einer Eintrittskarte zu einer damit verbundenen Busanreise verpflichten, gegen die viele Inhaber einer Auswärtsdauerkarte kurzfristig vor Gericht zogen. Das Ganze entwickelte sich zu einer absurden Posse, als 96 das Verfahren verzögerte und sich die Entscheidung auf einen Zeitpunkt nach dem Spiel verschob, die letztendlich zugunsten der Fans ausfiel. Dieses dreiste Verhalten gegenüber den eigenen Fans brachte das Fass letztendlich zum Überlaufen.

Nach der Auflösung des Fan-Dachverbandes „Rote Kurve“ und dem Ausbleiben eines Dialogs scheinen die Fronten weiterhin verhärtet. Wer sich weiter informieren will, kann sich die gute NDR-Reportage zu dem Thema angucken (Quelle: www.ndr.de) oder die Facebookseite „Kind muss weg“ besuchen (facebook.com).

Wer nun glaubte, die Saison wäre abgeschlossen, sah sich getäuscht. Es ging jetzt erst richtig los. Am nächsten Tag feierte nun Kickers-Vorsitzender Canellas seinen 50. Geburtstag und ließ seine präparierten Bomben platzen. Zu den Einzelheiten auf den Tonbändern: Bereits Anfang Mai hatte Canellas einen Anruf vom Kölner Torwart Manfred “Cassius” Manglitz erhalten. Manglitz forderte vom Offenbacher Vereinsobersten 250.000 Mark, sonst würde er sich beim Auswärtsspiel in Essen nicht anstrengen und ein paar “Dinger” durchlassen.

Canellas wollte damals kein Risiko eingehen, da Rot­Weiß Essen zu diesem Zeitpunkt noch als ernsthafter Konkurrent im Abstiegskampf anzusehen war. Er beriet sich mit seinen Kollegen aus dem Kickers­Präsidium und stimmte dem Handel zu. Um sich abzusichern, hatte sich Canellas aber zuvor noch beim DFB telefonisch erkundigt, ob Siegprämien aus dritter Hand erlaubt wären. Horst Schmidt, man kennt ihn noch als den dunkelhaarigen, großgewachsenen DFB-Aufsichtsbeauftragten bei den Pokalauslosungen, antwortete, dass “es nach den Statuten nicht verboten ist, dass es aber nicht sportlich wäre, da sich sowieso jeder Spieler für seine Mannschaft einsetzen müsse.” Am 6. Mai übergab der damalige Geschäftsführer der Kickers, Willi Konrad, der Braut von Manfred Manglitz an einer Autobahnraststätte das Geld gegen eine Quittung mit verschriebenem Datum. Köln gewann gegen Essen 3:2.

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Es ist das alte Thema: Tradition und Kommerz. Fußballfans wie Vereine müssen den Spagat zwischen diesen beiden Polen schaffen, immer wieder. In Gelsenkirchen fand dazu am Samstag eine Podiumsdiskussion statt. Gastautorin Susanne Hein-Reipen war dort.

Winterpause, öde Samstage, was liegt da näher, als sich dem geliebten runden Leder einmal von einer anderen Seite zu nähern? Faninitiative, UGE und Supporters Club luden gemeinsam mit Schalke.V.ereint zur Vortragsveranstaltung “Zwischen Tradition und Kommerz” ein. Das Interesse war groß und so konnte Olivier “Oli4″ Kruschinski pünktlich um 15.04 Uhr rund 120 Schalker in der ausgebuchten Gelsenkirchener Flora begrüßen.

Der FC Schalke 04 kann in diesem Jahr auf eine 111jährige Tradition zurückblicken, der Kommerz gehört seit Einführung des Profifußballs ebenfalls dazu, so dass der Schwerpunkt des Nachmittags auf “zwischen” liegen sollte: Wie kann unser Verein den Spagat schaffen, sich gut zu vermarkten und dennoch die Auswüchse der Kommerzialisierung zu begrenzen?

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Über die Details der Enthüllungen auf den Tonbändern werden wir später noch viel mehr erfahren, jedoch wollen wir versuchen, die Ereignisse chronologisch und mit Blick durch die blau-weiße Brille aufzuarbeiten. Zwar wurde auf Canellas’ Geburtstags-Party noch nicht über Schalke gesprochen, doch auch hier im Westen war man sich schon lange nicht mehr sicher, ob bei den Königsblauen alles korrekt ablief. Ganz besonders nicht beim Heimspiel am 17. April 1971 gegen Arminia Bielefeld. Schalke spielte so schlecht – schlechter geht’s nicht. “Der Sportbeobachter” (eine Art “RevierSport” der 60er und 70er Jahre) urteilte, dass Schalke seit dem Abstiegsjahr 1965 (nur die Aufstockung der Bundesliga auf 18 Vereine rettete Schalke damals) nicht mehr so mies gespielt hätte.

 

Ernst Kuzorra, der trotz seiner 65 Lenze sonst immer noch wie ein jugendlicher Haudegen wirkte, war plötzlich alt geworden. Wortlos starrte er nach dem Spiel im Kasino auf sein Bier. Zeitweise sah es so aus, als kämpfte er mit den Tränen. Dann schüttelte er den Kopf, und es brach aus ihm heraus: “Schämen sollten sie sich! Schämen! Ich hätte mich als Fußballer zu Tode geschämt!”

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Ein Grillfest an einem heißen Juninachmittag, es war der 6.6.1971, im Offenbacher Vorort Hausen, Rosenstraße 19: Horst Gregor Canellas feiert seinen 50. Geburtstag. Einen Tag zuvor war sein Verein nach einer unglücklichen 2:4-Auswärtsniederlage gegen den 1. FC Köln am letzten Spieltag aus der Bundesliga abgestiegen. Eigentlich sollte man annehmen, dass Canellas an diesem Sonntag nicht zum Feiern zumute war. Doch der temperamentvolle Präsident hielt einige Trumpfkarten in der Hand, die ihn im berechtigten Glauben ließen, dass seine Kickers im nächsten Jahr nicht zum bitteren Marsch in die Regionalliga Süd antreten müssen.

 

Canellas’ Frau Maria, von ihrem Mann liebevoll “Hasi” genannt, hatte ein üppiges Büffet angerichtet, es wurden Zigaretten, Champagner und Bier gereicht. Attika und Lord Extra, wo man hinsah, lange Koteletten und kurze Miniröcke, dazu James Last und Max Greger. Vor den Toren des eleganten Bungalows parkten lange Reihen von BMW, RO 80 und Mercedes 250 SE. Zu den geladenen Gästen zählten neben Freunden und Geschäftspartnern auch eine große Zahl von Medienvertretern, Bundestrainer Helmut Schön und DFB-Ligasekretär Wilfried Straub. Presse und DFB-Offizielle waren mit dem Hinweis eingeladen worden, dass einige “interessante Neuigkeiten” zu erwarten seien.

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